Froehoehliche Weihnacht ueberall...
31 12 2009Halli Hallo!
Ich hoffe ihr hattet ein frohes Fest. Ich will auch gleich zur Sache kommen und von der hiesigen Feierei berichten:
Also, lasst mich ueberlegen. Wie fing Weihnachten hier an? Ich glaub es war Anfang Dezember, da hat sich mein werter Gastvater dazu aufgerafft endlich mal dutzende bunte Lichterketten zu entfriemeln und irgendwie am Haus anzubringen. Nur um dann im Nachhinein festzustellen, dass etwa ein drittel davon laengst den Geist aufgegeben hat... Aber gut, wir hatten also Dekoration. Auch wenn sie meiner Meinung nach nicht unbedint zur Verschoenerung des Hauses beitrug, aber der weihnachtliche Gedanke dahinter war ersichtlich .. zumindest mit etwas Vorstellungskraft.
In der Woche vor Weinachten fanden dann lustige Kochtreffen mit meinen Arbeitskollegen statt. An drei Abenden in jeweils anderen Haeusern trafen wir uns zum Essen, Trinken und Dominospielen. Wobei eigentlich das Trinken im Vordergrund stand
. Am Samstag fand dann das Weihnachtsessen des Rehabilitationszentrum statt. Neben meinen Arbeitskollegen kamen prinzipiell alle Mitglieder des Vorstandes und des Foerdervereins. Kurz vorm Essen hielt mein Gastvater, der ja gleichzeitig Chef der Filiale hier vor Ort ist, eine Rede die noch mal aufzeigen sollte was fuer grossartige Fortschritte im letzten Jahr gemacht wurden etc. etc. Irgendwann mitten in der Rede bin ich wieder mal etwas weggetreten.. aber nicht fuer lange. Bekam irgendwann nur mit, wie der Dame, die ehrenamtlich bei uns im Zentrum arbeitet und beurteilt, welche Patienten faehig sind zu bezahlen und welche nicht, mit einem Geschenkkorb geehrt wurde. Kurz darauf kam mein Gastvater dann auf eine andere Person zu sprechen, die von der Beschreibung her sehr nach mir klang. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, die Hoffnung nicht schon wieder die Aufmerksamkeit einer Menschenmasse auf sich ziehen zu muessen, die Hoffnung nicht gezwungen zu sein eine kurze Ansprache auf Spanisch halten zu muessen. Ja diese Hoffnung starb dann tatsaechlich kurz darauf. Ich bekam ein Geschenk in die Hand gedrueckt und hielt dann eine kurze Dankesrede. Auch wenn mir das leichter von den Lippen ging als gedacht (Ja, Alkohol lockert tatsaechlich die Zunge), war ich froh mich wieder zu meinem Tisch fluechten zu koennen.
Am Mittwoch, den 23. Dezember, arbeitete ich noch bis 12 Uhr und hatte dann ein langes Wochenende vor mir. Im Haus war schon Himmel und Hoelle gleichzeitig aufgerissen, denn das Weihnachtsessen der Familie sollte bei uns im Haus stattfinden. Zur Erinnerung: Allein mein Gastvater hat 10 Geschwister! Erwartet wurden allerdings nur zwischen 30 und 40 Leute. Meine Gastmutter hatte alle Mueh und Not das Haus rechtzeitig fertigzukriegen. Da kommt einem uebrigends zu Gute, dass das Haus gefliest ist - so kann man dann mit dem Gartenschlauch einfach mal alles abspritzen und anschliessend das Wasser rausfegen. Herrliche Technik! Gut, ich muss zugeben ich hab sowohl den Mittwoch als auch den Donnerstag Vormittag weitesgehend schlafend und doesend verbracht. Nicht, dass ich meine Hilfe nicht mehrmals angeboten hatte, aber letztendlich lief alles so ungewohnt hektisch ab, dass ich doch irgendwie nur im Weg stand. Am 24. Dezember habe ich dann Nachmittags noch um die zwei Stunden mit meiner Familie in Deutschland telefoniert, die es tatsaechlich fertigbrachten den Kartoffelsalat zu kaufen anstatt ihn wie es die Tradition fordert selber zu machen!!! Ich bin nach wie vor geschockt, meine Lieben! So ein laeppischer Aldi oder sei es Pennysalat kommt uns naechstes Jahr garantiert nicht ins Haus! Hab dann anschliessend auch die Geschenke, die sie mir per 20kg Paket zugeschickt haben, geoeffnet und moechte mich an dieser Stelle noch mal bedanken und jedem, aber auch jedem die Buecher von Jodi Picoult empfehlen. Lese jetzt gerade The Pact und bin schon sehr begeistert nach den nur knapp 50 Seiten. Ausserdem der neue Roman von Dan Brown dabei, den ich mir eigentlich laengst bei Amazon bestellen wollte. Gut, dass ich das nicht gemacht habe! Aber gut, zurueck zur eigentlichen dominikanischen Weihnachtsfeierei. Gegen 21 Uhr irgendwas, nach der Messe, kamen dann unsere Gaeste. Wir sassen zusammen, unterhielten uns und warteten bis auch alle da waren. Gegen 24 Uhr oder kurz danach, war es dann endlich soweit und wir konnten das inzwischen kalt gewordene Essen geniessen. Natuerlich nicht ohne das vorher wieder eine Rede gehalten werden musste. Und obwohl ich meinen Gastvater schon beim Weihnachtsessen des Rehabilitationszentrums angemeckert hatte man solle mich doch bitte auf sowas vorbereiten, wurde ich auch wieder zu Worte gezwungen. Nun gut, man gewoehnt sich an alles. Dieses mal war ich dann schon in der Lage ein Witzchen mit einzubauen. Ich sag euch am Ende des Jahres bin ich hier der Standup Comedian
. Anschliessend wechselte dann die ruhige Schnulz Musik zu flottem Merengue und Bachata und ich wurde zum Tanzen aufgefordert bzw. mit aller Kraft und Macht auf die Tanzflaeche gezerrt. Jaja, meine lieben Gastcousins. Gegen 2 Uhr morgens haben wir Junggebliebenen uns dann auf den Weg in die Diskothek gemacht. Proppevoll!! Aber gut, wen wunderts.. zu Weihnachten kommen halt alle Verwandten zu Besuch und es gibt ja nun mal nur diese eine Diskothek. So zwischen 6 und 7 Uhr morgens war ich dann wieder zu Hause und habe ca. bis 12 Uhr geschlafen. Theoretisch werden hier Geschenke zwar am 25. morgens uebergeben, aber dies gilt nur fuer die kleinen Kinder. Somit fiel fuer mich dieses Jahr jegliche Geschenketraditon weg. Weihnachten bedeutet hier Zeit mit der Familie verbringen und viel Trinken. Sodass ich mich dann am 25. gegen 1 Uhr mittags trotz leichtem Katers mit einem Bier in der Hand in familiaerer Runde wiederfand. Der Rest dieses Tages ist eigentlich kaum erwaehnenswert, da mir die riesige Familie irgendwann zu Kopfe gestiegen ist und ich mich ein paar wenigen Menschen im Park traf. Wozu? Na zum Trinken!
Den dritten Weihnachtstag gibt es hier offiziell garnicht. Da aber die Familie des Bruders meines Gastvaters bei uns im Hause zu Gast war und da am Abend die Hochzeit einer Gastcousine stattfinden sollte, nahm man auch diesen Tag als Festtag war. Zu meiner grossen, grossen Freude sind wir nachmittags zum Strande gefahren und von dort aus mit dem Motorboot in den Nationalpark. Irre schoen. Jetzt bin ich schon drei Monate hier und mir war nicht bewusst, dass Montecristi mehr zu bieten hat, als die wenigen Ausgehmoeglichkeiten, den Strand am Morro und natuerlich die nach Kloake stinkenden Strassen. Ich sollte demnaechst mal Bilder hochladen, die Kulisse ist etwas schwer zu beschreiben. Man hat den Eindruck, dass ploetzlich aus dem Nichts ein kleiner Wald entwaechst - mitten im Wasser, ohne Land und nichts drunter. Oder zumindest scheint es so. Das Wasser ist dort zwar erheblich flacher, sodass unser Motorbootfahrer echt schon aufpassen musste als er sich durch dieses Labyrinth schlaengelte. Und aus dem Nichts taucht dann auf einmal ein kleiner Steg auf. Dort haben wir dann angelegt und sind Baden gegangen. Dieser "Strand", der eigentlich viel mehr eine Badestelle ist, soll wohl sehr unbekannt sein. Der Sand am Meeresgrund fuehlt sich, so druecken es die Dominikaner aus, eher nach Haferflocken an. Tatsaechlich sieht es aber eher nach Muschelreste und Steine aus, kenne mich auf dem Gebiet nicht so aus. Alles in allem neben dem Strand am Morro mit das beeindruckendste was Montecristi an Natur zu bieten hat oder was mir bis jetzt offenbart wurde. Die Hochzeit am Abend war kein grosses Ereignis, wie man sich das halt so vorstell: Kirche und anschliessend ein Zusammensitzen, Essen und Tanzen bei uns im Haus. Ich muss sagen, das Festessen ist jedes mal echt prima. Gerade weil es ne reiche Auswahl an Salaten gibt und meist auch irgendwas mit Kartoffeln, sodass man getrost auf den geliebt-gehassten Reis verzichten kann. Bloed nur, dass sie das Essen schon um 21 Uhr servieren, wo doch erst ab 23 Uhr das Buffet eroeffnet wird. Ausserdem werden zwei Kuchen serviert. Ein grosser, getuermter, der mindestens zur Haelfte aus Pappe besteht und eigentlich auch nur dazu dient, dass jeder aber vor allem natuerlich das Hochzeitspaar sich mit dem Kuchen zusammen fotografieren lassen kann. Der zweite Kuchen verbleibt im Hintergrund und wird dann spaeter serviert. So muss man dem Dekotkuchen nicht anruehren und kann sich weiterhin an seinem anreizendem Aeusserem begluecken. Nun ja... gegen 3 Uhr morgens wurd es uns bzw. den anderen wieder zu langweilig im Haus und wir machten uns auf zur Disko und anschliessend zum Strand. Gegen 6 Uhr morgens gings gezwungenermassen zurueck, da meine Gasttante uns begleitet hatte und darauf bestand, dass jetzt alle in die Heia gehen. Auch vor allem deshalb weil ihr ein oder zwei Freunde meiner Gastgeschwister im betrunkenen Zustand sehr sehr gefaehrlich vorkamen. Erwaehnte ich eigentlich schon mal wie uebervorsichtig und ueberbesorgt die Eltern hier sind? Wurdet ihr schon mal ne halbe Stunde vor abgemachter Heimkehrzeit angerufen, nur um gefragt zu werden wie ihr denn vorhabt heimzukommen? Gut, wenn ich mit meinen Gastgeschwistern unterwegs bin ist das kein Ding, aber sonst... Nun ja. Ich bin sicher meine liebe Familie wird mir nachher wieder erzaehlen, wie toll sie es doch finden, dass hier zumindest mal jemand auf mich aufpasst
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Das war also mein Weihnachten. Es ist jetzt fast 18 Uhr am 31.12. und ich weiss noch nicht so unbedingt wie mein Abend wohl verlaufen wird. Wie es scheint, gibt es nachher ein Essen bei meiner Gastoma Lillin. Und anschliessend... joah. Habs mir gestern etwas mit meiner Hauptkontaktperson hier verdorben, eigentlich ne Kleinigkeit, aber hier wird man dafuer erst mal mit Ignoranz bestraft. Das Telefon wird nicht mehr abgenommen, SMS nicht beantwortet. Wie einfach mir doch auf einmal die Konfliktloesung in Deutschland vorkommt. "Entschuldigung, tut mir echt Leid" - "Ja, ist gut. Aber bitte mach das so nicht nochmal" Punkt!Fertig! Aber man kennt das ja inzwischen schon. Fremde Kultur- Sturmfrisur!
Am Samstag findet dann ein riesiger Ball meiner Gastcousine in Santo Domingo statt. Es werden etwa 500 Gaeste erwartet. Wie man sich vielleicht denken kann, ihre Familie ist steinreich. Ihr Vater, ergo mein Gastonkel, ist Chef von der Cervezeria Presidente, das bekannte Bier hier. Schon als ich bei denen im Haus auf dem Junggeselleninnenabschied war, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf. So ein Reichtum in so einem Land - irgendwie seltsam. Nun ja, auf jeden Fall lasse ich mir gerade ein Kleid schneidern und bezahle letztendlich fuer Stoff und Naeherei zusammen 1500 Pesos etwa. Dazu noch Schuhe fuer ca 400 Pesos. Umgerechnet sind das weniger 40 Euro
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Wie ihr seht, es ist und war einiges los hier bei mir. Ich hoffe ihr fuehlt euch jetzt erst mal gesaettigt an Informationen und wenn ich es schaffe lade ich demnaechst wieder Bilder auf meinem Fotostream hoch. Ein paar Bilder von Freunden und der Einweihungsfeier des Volleyballturniers sind auch bei Facebook zu sehen.
Euch wuensche ich dann einen guten Rutsch und alles erdenklich Gute zum neuen Jahr 2010.
Liebe Gruesse aus Montecristi,
Merle
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