Froehoehliche Weihnacht ueberall...

31 12 2009

Halli Hallo!

Ich hoffe ihr hattet ein frohes Fest. Ich will auch gleich zur Sache kommen und von der hiesigen Feierei berichten:

Also, lasst mich ueberlegen. Wie fing Weihnachten hier an? Ich glaub es war Anfang Dezember, da hat sich mein werter Gastvater dazu aufgerafft endlich mal dutzende bunte Lichterketten zu entfriemeln und irgendwie am Haus anzubringen. Nur um dann im Nachhinein festzustellen, dass etwa ein drittel davon laengst den Geist aufgegeben hat... Aber gut, wir hatten also Dekoration. Auch wenn sie meiner Meinung nach nicht unbedint zur Verschoenerung des Hauses beitrug, aber der weihnachtliche Gedanke dahinter war ersichtlich .. zumindest mit etwas Vorstellungskraft.

In der Woche vor Weinachten fanden dann lustige Kochtreffen mit meinen Arbeitskollegen statt. An drei Abenden in jeweils anderen Haeusern trafen wir uns zum Essen, Trinken und Dominospielen. Wobei eigentlich das Trinken im Vordergrund stand :-). Am Samstag fand dann das Weihnachtsessen des Rehabilitationszentrum statt. Neben meinen Arbeitskollegen kamen prinzipiell alle Mitglieder des Vorstandes und des Foerdervereins. Kurz vorm Essen hielt mein Gastvater, der ja gleichzeitig Chef der Filiale hier vor Ort ist, eine Rede die noch mal aufzeigen sollte was fuer grossartige Fortschritte im letzten Jahr gemacht wurden etc. etc. Irgendwann mitten in der Rede bin ich wieder mal etwas weggetreten.. aber nicht fuer lange. Bekam irgendwann nur mit, wie der Dame, die ehrenamtlich bei uns im Zentrum arbeitet und beurteilt, welche Patienten faehig sind zu bezahlen und welche nicht, mit einem Geschenkkorb geehrt wurde. Kurz darauf kam mein Gastvater dann auf eine andere Person zu sprechen, die von der Beschreibung her sehr nach mir klang. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, die Hoffnung nicht schon wieder die Aufmerksamkeit einer Menschenmasse auf sich ziehen zu muessen, die Hoffnung nicht gezwungen zu sein eine kurze Ansprache auf Spanisch halten zu muessen. Ja diese Hoffnung starb dann tatsaechlich kurz darauf. Ich bekam ein Geschenk in die Hand gedrueckt und hielt dann eine kurze Dankesrede. Auch wenn mir das leichter von den Lippen ging als gedacht (Ja, Alkohol lockert tatsaechlich die Zunge), war ich froh mich wieder zu meinem Tisch fluechten zu koennen.

Am Mittwoch, den 23. Dezember, arbeitete ich noch bis 12 Uhr und hatte dann ein langes Wochenende vor mir. Im Haus war schon Himmel und Hoelle gleichzeitig aufgerissen, denn das Weihnachtsessen der Familie sollte bei uns im Haus stattfinden. Zur Erinnerung: Allein mein Gastvater hat 10 Geschwister! Erwartet wurden allerdings nur zwischen 30 und 40 Leute. Meine Gastmutter hatte alle Mueh und Not das Haus rechtzeitig fertigzukriegen. Da kommt einem uebrigends zu Gute, dass das Haus gefliest ist - so kann man dann mit dem Gartenschlauch einfach mal alles abspritzen und anschliessend das Wasser rausfegen. Herrliche Technik! Gut, ich muss zugeben ich hab sowohl den Mittwoch als auch den Donnerstag Vormittag weitesgehend schlafend und doesend verbracht. Nicht, dass ich meine Hilfe nicht mehrmals angeboten hatte, aber letztendlich lief alles so ungewohnt hektisch ab, dass ich doch irgendwie nur im Weg stand. Am 24. Dezember habe ich dann Nachmittags noch um die zwei Stunden mit meiner Familie in Deutschland telefoniert, die es tatsaechlich fertigbrachten den Kartoffelsalat zu kaufen anstatt ihn wie es die Tradition fordert selber zu machen!!! Ich bin nach wie vor geschockt, meine Lieben! So ein laeppischer Aldi oder sei es Pennysalat kommt uns naechstes Jahr garantiert nicht ins Haus! Hab dann anschliessend auch die Geschenke, die sie mir per 20kg Paket zugeschickt haben, geoeffnet und moechte mich an dieser Stelle noch mal bedanken und jedem, aber auch jedem die Buecher von Jodi Picoult empfehlen. Lese jetzt gerade The Pact und bin schon sehr begeistert nach den nur knapp 50 Seiten. Ausserdem der neue Roman von Dan Brown dabei, den ich mir eigentlich laengst bei Amazon bestellen wollte. Gut, dass ich das nicht gemacht habe! Aber gut, zurueck zur eigentlichen dominikanischen Weihnachtsfeierei. Gegen 21 Uhr irgendwas, nach der Messe, kamen dann unsere Gaeste. Wir sassen zusammen, unterhielten uns und warteten bis auch alle da waren. Gegen 24 Uhr oder kurz danach, war es dann endlich soweit und wir konnten das inzwischen kalt gewordene Essen geniessen. Natuerlich nicht ohne das vorher wieder eine Rede gehalten werden musste. Und obwohl ich meinen Gastvater schon beim Weihnachtsessen des Rehabilitationszentrums angemeckert hatte man solle mich doch bitte auf sowas vorbereiten, wurde ich auch wieder zu Worte gezwungen. Nun gut, man gewoehnt sich an alles. Dieses mal war ich dann schon in der Lage ein Witzchen mit einzubauen. Ich sag euch am Ende des Jahres bin ich hier der Standup Comedian :-D. Anschliessend wechselte dann die ruhige Schnulz Musik zu flottem Merengue und Bachata und ich wurde zum Tanzen aufgefordert bzw. mit aller Kraft und Macht auf die Tanzflaeche gezerrt. Jaja, meine lieben Gastcousins. Gegen 2 Uhr morgens haben wir Junggebliebenen uns dann auf den Weg in die Diskothek gemacht. Proppevoll!! Aber gut, wen wunderts.. zu Weihnachten kommen halt alle Verwandten zu Besuch und es gibt ja nun mal nur diese eine Diskothek. So zwischen 6 und 7 Uhr morgens war ich dann wieder zu Hause und habe ca. bis 12 Uhr geschlafen. Theoretisch werden hier Geschenke zwar am 25. morgens uebergeben, aber dies gilt nur fuer die kleinen Kinder. Somit fiel fuer mich dieses Jahr jegliche Geschenketraditon weg. Weihnachten bedeutet hier Zeit mit der Familie verbringen und viel Trinken. Sodass ich mich dann am 25. gegen 1 Uhr mittags trotz leichtem Katers mit einem Bier in der Hand in familiaerer Runde wiederfand. Der Rest dieses Tages ist eigentlich kaum erwaehnenswert, da mir die riesige Familie irgendwann zu Kopfe gestiegen ist und ich mich ein paar wenigen Menschen im Park traf. Wozu? Na zum Trinken!

Den dritten Weihnachtstag gibt es hier offiziell garnicht. Da aber die Familie des Bruders meines Gastvaters bei uns im Hause zu Gast war und da am Abend die Hochzeit einer Gastcousine stattfinden sollte, nahm man auch diesen Tag als Festtag war. Zu meiner grossen, grossen Freude sind wir nachmittags zum Strande gefahren und von dort aus mit dem Motorboot in den Nationalpark. Irre schoen. Jetzt bin ich schon drei Monate hier und mir war nicht bewusst, dass Montecristi mehr zu bieten hat, als die wenigen Ausgehmoeglichkeiten, den Strand am Morro und natuerlich die nach Kloake stinkenden Strassen. Ich sollte demnaechst mal Bilder hochladen, die Kulisse ist etwas schwer zu beschreiben. Man hat den Eindruck, dass ploetzlich aus dem Nichts ein kleiner Wald entwaechst - mitten im Wasser, ohne Land und nichts drunter. Oder zumindest scheint es so. Das Wasser ist dort zwar erheblich flacher, sodass unser Motorbootfahrer echt schon aufpassen musste als er sich durch dieses Labyrinth schlaengelte. Und aus dem Nichts taucht dann auf einmal ein kleiner Steg auf. Dort haben wir dann angelegt und sind Baden gegangen. Dieser "Strand", der eigentlich viel mehr eine Badestelle ist, soll wohl sehr unbekannt sein. Der Sand am Meeresgrund fuehlt sich, so druecken es die Dominikaner aus, eher nach Haferflocken an. Tatsaechlich sieht es aber eher nach Muschelreste und Steine aus, kenne mich auf dem Gebiet nicht so aus. Alles in allem neben dem Strand am Morro mit das beeindruckendste was Montecristi an Natur zu bieten hat oder was mir bis jetzt offenbart wurde. Die Hochzeit am Abend war kein grosses Ereignis, wie man sich das halt so vorstell: Kirche und anschliessend ein Zusammensitzen, Essen und Tanzen bei uns im Haus. Ich muss sagen, das Festessen ist jedes mal echt prima. Gerade weil es ne reiche Auswahl an Salaten gibt und meist auch irgendwas mit Kartoffeln, sodass man getrost auf den geliebt-gehassten Reis verzichten kann. Bloed nur, dass sie das Essen schon um 21 Uhr servieren, wo doch erst ab 23 Uhr das Buffet eroeffnet wird. Ausserdem werden zwei Kuchen serviert. Ein grosser, getuermter, der mindestens zur Haelfte aus Pappe besteht und eigentlich auch nur dazu dient, dass jeder aber vor allem natuerlich das Hochzeitspaar sich mit dem Kuchen zusammen fotografieren lassen kann. Der zweite Kuchen verbleibt im Hintergrund und wird dann spaeter serviert. So muss man dem Dekotkuchen nicht anruehren und kann sich weiterhin an seinem anreizendem Aeusserem begluecken. Nun ja... gegen 3 Uhr morgens wurd es uns bzw. den anderen wieder zu langweilig im Haus und wir machten uns auf zur Disko und anschliessend zum Strand. Gegen 6 Uhr morgens gings gezwungenermassen zurueck, da meine Gasttante uns begleitet hatte und darauf bestand, dass jetzt alle in die Heia gehen. Auch vor allem deshalb weil ihr ein oder zwei Freunde meiner Gastgeschwister im betrunkenen Zustand sehr sehr gefaehrlich vorkamen. Erwaehnte ich eigentlich schon mal wie uebervorsichtig und ueberbesorgt die Eltern hier sind? Wurdet ihr schon mal ne halbe Stunde vor abgemachter Heimkehrzeit angerufen, nur um gefragt zu werden wie ihr denn vorhabt heimzukommen? Gut, wenn ich mit meinen Gastgeschwistern unterwegs bin ist das kein Ding, aber sonst... Nun ja. Ich bin sicher meine liebe Familie wird mir nachher wieder erzaehlen, wie toll sie es doch finden, dass hier zumindest mal jemand auf mich aufpasst :-D.

Das war also mein Weihnachten. Es ist jetzt fast 18 Uhr am 31.12. und ich weiss noch nicht so unbedingt wie mein Abend wohl verlaufen wird. Wie es scheint, gibt es nachher ein Essen bei meiner Gastoma Lillin. Und anschliessend... joah. Habs mir gestern etwas mit meiner Hauptkontaktperson hier verdorben, eigentlich ne Kleinigkeit, aber hier wird man dafuer erst mal mit Ignoranz bestraft. Das Telefon wird nicht mehr abgenommen, SMS nicht beantwortet. Wie einfach mir doch auf einmal die Konfliktloesung in Deutschland vorkommt. "Entschuldigung, tut mir echt Leid" - "Ja, ist gut. Aber bitte mach das so nicht nochmal" Punkt!Fertig! Aber man kennt das ja inzwischen schon. Fremde Kultur- Sturmfrisur!

Am Samstag findet dann ein riesiger Ball meiner Gastcousine in Santo Domingo statt. Es werden etwa 500 Gaeste erwartet. Wie man sich vielleicht denken kann, ihre Familie ist steinreich. Ihr Vater, ergo mein Gastonkel, ist Chef von der Cervezeria Presidente, das bekannte Bier hier. Schon als ich bei denen im Haus auf dem Junggeselleninnenabschied war, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf. So ein Reichtum in so einem Land - irgendwie seltsam. Nun ja, auf jeden Fall lasse ich mir gerade ein Kleid schneidern und bezahle letztendlich fuer Stoff und Naeherei zusammen 1500 Pesos etwa. Dazu  noch Schuhe fuer ca 400 Pesos. Umgerechnet sind das weniger 40 Euro :-).

Wie ihr seht, es ist und war einiges los hier bei mir. Ich hoffe ihr fuehlt euch jetzt erst mal gesaettigt an Informationen und wenn ich es schaffe lade ich demnaechst wieder Bilder auf meinem Fotostream hoch. Ein paar Bilder von Freunden und der Einweihungsfeier des Volleyballturniers sind auch bei Facebook zu sehen.

Euch wuensche ich dann einen guten Rutsch und alles erdenklich Gute zum neuen Jahr 2010.

Liebe Gruesse aus Montecristi,

Merle

 


RATATA

20 12 2009

Moinsen!

Es wird wohl mal wieder Zeit fuer einen Eintrag in meinem wohl behueteten Blog :-). Zwar habe ich meistens das Gefuehl nichts zu berichten zu haben, aber das liegt wohl eher daran, dass ich dabei bin mir hier einen Alltag aufzubauen. Wohlbemerkt einen eben solchen, der kaum vergleichbar ist mit dem was ich bis jetzt so gemacht habe. Wenn ihr wuesstet....

Aber bevor ich anfange die Fuelle an Eindruecken in Worte zu fassen, noch eine kurze Bitte: Ich hab leider keinerlei Vorstellung, wie sich mein Geschreibsel so liest. Da ich diesen Blog ausschliesslich fuer euch schreibe, sollte eine angenehme und vor allem interessante Schreibweise eigentlich in eurem Interesse sein. Ich bitte daher nochmal um Rueckmeldung per Email, Kommentar oder auf sonstige Art und Weise. Ich bin gerne bereit Verbesserung anzustreben - zumindest was die Qualitaet der Beitraege angeht ;-)

Wo fang ich also nach so langer Zeit an? Erst vor zwei Tagen wurde mir von einer Arbeitskollegin gesagt, wie sehr ich mich veraendert haette, was sich dieses mal auch zur Ausnahme nicht auf mein Gewicht bezog :-D. Nach nur knapp drei Monaten habe ich das Gefuehl hier eine Fuelle von Eindruecken und Erfahrungen gesammelt zu haben, die alle Erwartungen uebertreffen. Und es nimmt kein Ende. Immer wieder findet man sich in Situationen wieder, wo ich echt nur vor mich hingrinsen kann. Das beste Beispiel dafuer ist wohl das letzte Wochenende. Ich wusste, dass ein Volleyballturnier ansteht. Ich wusste, dass noch drei andere Teams aus Guayabin, Palo Verde und Mansanill kommen, jeweils maskulin und feminin. Ich wusste, dass das Turnier am Donnerstag startet. Als ich dann am Mittwoch Nachmittag zum Volleyballtraining ging, wir urploetzlich das Training sein liessen und uns hinten auf einen Pick Up quetschten, der dann nach und nach auf einer Strecke jeweils ein oder zwei von uns absetzte war ich doch etwas ... nun ja ueberrascht. Aber man kennt das ja schon, dass die Leute es hier nicht unbedingt fuer noetig halten einem zu erklaeren, was gerade ablaeuft. Oder vielleicht gehen sie auch einfach davon aus, dass man es sich denken koennte. Jedenfalls stand ich dann da mit Tania, die mir erklaerte wir wuerden auf die Karavane warten um dann die Fackel zu tragen. Achso, gut, prima! Die Fackel tragen. Wie bei den Olympischen Spielen, ja? Tatsaeachlich kam ich mir ein bisschen vor, wie die eine Uebersportlerin, die mit Stolz oder zumindest mit Spass an der Sache dem Turnier endgegen blickt. Denn schliesslich erreichte uns die Karavane: Vorab ein Kleinlaster der Politikerin mit ordentlich Musik, dann ein Pickup und schliesslich eine ganze Reihe von Joggern. Ganz vorne an natuerlich die Fackeltraegerin. Tania und ich setzten uns dann in Bewegung, sie uebernahm die Fackel und schwupps waren wir Teil dieser seltsamen Karavane die sich dann durchs halbe Dorf bewegte. Nach etwa zwei Ecken oder so uebernahm ich die Fackel und lief im langsamen Tempo vorweg. Ein seltsames Gefuehl. Gerade wenn einem die Kamera eines oertlichen Fernsehprogramms dabei im Blickfeld behaelt. Konkret gesagt: Ich war erleichtert, als ich die Fackel weitergeben konnte und mich wieder unter die "normalen" Jogger mischen konnte.

Sowas passiert mir echt oft. Merle komm, Merle mach, Merle steig auf! Auch wenn der Fackellauf bisher noch mit das Kurioseste von Allem war, erlebt man auf diese Art und Weise immer wieder neues. In unseren Vorbereitungsseminaren haben wir damals u.A. auch darueber gesprochen, dass es Kulturen gibt, die Angst vor neuen Situationen haben und daher ihren Alltag mit allerlei von Regeln und Plaenen ausstatten um diesen moeglichst auszuweichen. Das perfekte Beispiel einer solchen Kultur ist Deutschland mit seinen Bus- und Zugfahrplaenen und den unendlich vielen Verkehrszeichen. Das Gegenteil davon ist dementsprechend eine Kultur, die sich vor neuen Situationen nicht fuerchtet und das Leben eben so nimmt wie es gerade daher kommt. Ich muss sagen, es hat durchaus was auf diese Art und Weise durch den Alltag zu gehen!

Natuerlich habe ich normalerweise hier auch meinen weitesgehend geregelten Alltag. Ich bin recht froh inzwischen sagen zu koennen, mich mit der Arbeit abgefunden zu haben. Inzwischen bin ich durchaus in der Lage Patienten komplett alleine zu behandeln. In der Akte eines Patienten findet man die dazu benoetigten Informationen. Es handelt sich meist um eine heisse Kompresse und eine elektrische Stimulation namens TENS die auf eine bestimmte Region (lumbar, cervical, tobillo, rodilla, muneca, hombro etc. etc.) fuer 20 min. aufgelegt werden. Anschliessend folgt die Behandlung mit dem Ultrasound der Frequenz 1.5 und schliesslich eine Massage mit einem nach Menthol riechenden ICE-Gel. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass es nicht unbedingt die beste Methode ist, die Muskeln erst aufzuwaermen nur um sie dann bei der Massage mit dem ICE-Gel schockzugefrieren. Eine kanadische Massagetherapeutin, mit der ich mich mal unterhalten hab als sie uns im Zentrum besuchte, sieht das aehnlich und daher bin ich gerad dabei meine lieben Kollegen von dem Oel zu ueberzeugen. Aber so ganz einfach ist es nicht, denen zu erklaeren, dass das Oel nicht nur weicher ist sondern auch schonender. Des Weiteren bringen wir den Patienten die sogenannten Uebungen von Williams bei, die groesstenteils aus Uebungen fuer Bauch- und Rueckenmuskeln bestehen. Ich muss sagen, man fuehlt sich auf einmal ganz schoen sportlich wenn man feststellt, dass es tatsaechlich Menschen gibt, die nicht in der Lage sind einen Sit-Up zu machen. Und ich habe mich immer dafuer geschaemt keine Liegestuetze hinzubekommen. Wie unnoetig! Behandlungen, die etwas komplexer sind, sprich wo bestimmte Uebungen erforderlich sind um bsw. die Gehfaehigkeit wieder herzustellen, uebernehm ich prinzipiell eher selten. Meistens ist Estelina fuer die aufwenderigen Patienten zustaendig, da sie auch mit ihrem Studium der Physiotherapie am weitesten fortgeschritten ist. Die Arbeit klingt ziemlich oede, das ist mir bewusst. Das, was sie inzwischen fuer mich interessanter macht, ist die Tatsache, dass ich zumindest auf einige Patienten bereits eingehen kann und ihnen gerade bei den Williams-Uebungen erklaeren kann, wie es besser und leichter und richtiger geht. Bei einigen Patienten bin ich inzwischen sogar schon auf Grund angeblich vorhandener Massagekuenste gefragt. Aber so wie meine werten Kolleginnen in alle Richtungen rubbeln ist das vermutlich auch keine grosse Leistung.

Nach der Arbeit zieh ich mich meist direkt um und begebe mich zum Volleyball. Da klappt alles inzwischen ganz wunderbar. Jeden Ball kann ich annehmen und schlage ihn mit einer Wucht uebers Netz, als gebs kein Morgen. Okay. Gelogen. Sport war halt wie gesagt noch nie so mein Ding. Aber zumindest habe ich das Gefuehl mich nicht mehr ganz so zum Affen zu machen. Und selbst wenn, es scheint keinen zu stoeren...auch wenn sie mir dann gerade zum hundersten mal erklaeren wie es denn theoretisch richtig geht. Die Verrueckten bestehen ja sogar darauf, dass ich an Turnieren auch spiele. Schliesslich sei ich ein Teil des Teams. MONTECRISTI FUERTE SI! Oh ja.... man gebe mir noch ein paar ...Jahrzehnte und vielleicht erreicht dann auch mich der Sportgeist :-D. Das schoene daran ist halt, dass man mit Leuten im etwa gleichem Alter in Kontakt kommt. Es gibt zwar noch reichlich Kommunikationsschwierigkeiten vor allem im Zwischenmenschlichen, garnicht mal so sehr im Spansichen, aber den einen oder anderen Freund habe ich denke ich dadurch schon gewonnen.

Was kann ich noch erzaehlen ohne jetzt jedes einzelne Erlebnis hier ausfuehrlich beschreiben zu muessen? Vielleicht ganz kurz und knapp noch ueber schoene und negative Eindruecke allgemein: Ein guter Freund sagte mir letztens in fuer Dominikaner ungewohnt direkter Weise wie egoistisch und scheinheilig die Meisten hier sind. Dem muss ich leider zustimmen. Falsche Freundlichkeit und aehnliches gehen mir mittlerweile dermassen auf die Nerven. Ausserdem, und das mag laecherlich klingen, kann ich mich einfach nicht an das kalte Duschen gewoehnen. Nach wie vor huepft man da die ersten Minuten rauf und runter. Ein Grauen, gerade in den fruehen Morgenstunden. Im Gegensatz dazu koennte ich inzwischen das Verkehrssystem hier in den Himmel loben. Noch nie habe ich hier einen Unfall beobachtet. Man faehrt so wie man eben zu Fuss geht und einigt sich dann unterwegs wer denn jetzt mal Vorfahrt hat. Mein absolutes Lieblingsfortbewegungsmittel ist uebrigends das Motorrad. Gerade bei dieser Hitze ist es ein unglaubliches Vergnuegen sich den Wind endgegen blasen zu lassen. Unbeschreibliches Gefuehl. Zumindest solange es eins der kleinen, ungefaehrlichen Motorraeder ist. Letztens hat man mich im betrunkenen Zustand zu einem Freund eines Freundes auf ein Motorrad gesetzt, welcher dann mit mir mit gefuehlten 100 kmh eine kleine Rundtour machte. Kick, ja! Aber dadurch, dass es einem die Traenen in die Augen treibt und man den Hintergedanken Helm und Schutzklamotten nicht vergessen kann, garantiert nichts fuer mich!

Ich habe uebrigends vor ein paar Tagen ein Video auf meiner Fotoseite hochgeladen. Das war am Sonntag in der Fedora und ich finde die hier typische Karibikstimmung kommt dabei recht gut rueber.

Ansonsten wuensche ich allen frohe Weihnachten. Ich werde danach bestimmt viel zu berichten haben ueber all die Festlichkeiten. An dieser Stelle auch noch mal ein dickes Dankeschoen an meine Familie die sich mit ihrem Paket selbst uebertroffen hat. Soviel zu: Nein, Papa, ich brauch eigentlich nichts :-D. Aber ich freu mich riesig.

Wer will kann sich ja gern ein bisschen Musik von hier anhoeren. Zum Beispiel den Song von, den ich schon den Titel meines Eintrags gewidmet habe: Omega - Ratata. Oder auch etwas mehr weihnachtlich: Marc Anthony - Me voy a regalar. Mein persoenlicher Happy-Song von hier vor Ort ist allerdings der folgende: Luis Enrique - Yo no se manana.

Also...Adios Amigos! Meldet euch!


Look at this fotograph, everytime I do, it makes me...

01 11 2009

So,

Ich habe mir nun einen Flickr Account zugelegt, um euch auch mit Bildern erstaunen zu koennen. Leider ist mir kein besserer Anbieter ueber den Weg gelaufen, aber ich denke mal es erfuellt seinen Zweck. Den Link zu den Bildern solltet ihr oben in der Navigationsleiste finden.

Noch ein kurzes Kommentar: Ich weiss, es sind nur sehr wenige und teils vermutlich nichtssagende Fotos. Dafuer gibt es allerdings Gruende:

Ich befinde mich, wie ihr wisst, in einem Entwicklungsland. Was fuer uns selbstverstaendlich ist (Wasser, Strom, ein eigenes Bett) erscheint hier zum Teil als purer Luxus. Das bietet mir zwar die Moeglichkeit die unterschiedlichsten Eindruecke zu bekommen, aber es beschaemt einen doch ab und an. Wenn ich mich also gerade in einem Haus befinde, in dem ich befuerchten muss, dass mir sehr bald im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf den Kopf faellt, und dort die Art und Weise beobachten darf wie man mit solchen Umstaenden ein froehliches Leben fuehren darf obgleich man eigentlich nichts hat - Nun dann werde ich garantiert nicht meine neue Digitalkamera rausholen und meinen Gastgebern vor Augen fuehren was ihnen eventuell alles fehlt. Kurz und knapp: Ich lasse ungern die stinkreiche Deutsche raushaengen...

Ich weiss nicht, ob ich es verstaendlich erklaeren konnte. Trotdem hoffe ich ihr koennt euch ein grobes Bild von meiner Umgebung hier machen.


Hey! Das geht ab...

14 10 2009

Der folgende Eintrag soll die Erlebnisse des letzten Wochenendes kurz zusammen fassen. Tage, in denen mir wieder mal bewusst wurde, dass es vermutlich das ganze Jahr dauern wird bis ich mich in dieser Kultur zurecht finde. Sofern es denn ueberhaupt klappt...

Freitag, 9.10.2009

Eigentlich ein Tag, der hier beginnt wie jeder andere auch. Um 6.30 Uhr klingelt mein Handywecker das erste mal. Von da ab an alle 5 Minuten, bis ich es gegen 7.20 Uhr schaffe mich aufzuraffen. Es folgt die uebliche Badezimmerroutine, wie meistens am fruehen morgen inklusive fliessend Wasser, ein kurzes Fruehstueck und ein Spaziergang hin zur Arbeit, wo ich gegen 8 Uhr eintreffe. An Freitagen habe ich bei der Arbeit tatsaechlich was zu tun, da nur eine der drei Angestellten Physiotherapeutinnen arbeitet. Dementsprechend kann ich heute auf das laestige Warten auf die Mittagspause weitesgehend verzichten. Ich praepariere Kompressen, massiere und mache bestimmte Uebungen mit Patienten, die mir bekannt sind. Von 12.30 bis 14 Uhr halte ich mich dann bei mir zu Hause auf, um zu essen und mich von dem "anstrengendem" Vormittag zu erholen. Dann fehlen noch ganze 2 Stunden Arbeit bis ich schliesslich gegen 16 Uhr Feierabend habe. Nachmittags habe ich dann von um und bei 17.30 bis 19 Uhr Volleyballtraining. Anfangs uebt der Trainer noch mit mir alleine. Wenn dann genug der anderen aufgetaucht sind, was schon mal bis 18.15 Uhr dauern kann, darf ich mich an Rand setzen und zuschauen wie die Jungs mit dem Ball umgehen. Zum Teil ist das doch schon recht beeindruckend. Aber wie immer wenns schoen ist, geht irgendwann die Sonne unter und das Volleyballnetz wird abgebaut. Ich gehe dann nach Hause um zu duschen und mich umzuziehen, da wir anschliessend wie meistens am Abend noch umherziehen. So auch heute. Lulu und ich machen uns auf den Weg und schauen bei einigen Freunden vorbei. Schlussendlich bei Maria, mit der ich noch kurz auf der Calle 8 vorbeischaue. Als ich sie frage, warum wir denn feiern gehen, erklaert sie mir sie sei nun verlobt. Ja, richtig, meine 16-jaehrige Freundin hat sich mit ihrem Freund aus Miami verlobt und will ihn nach einer einjaehrigen Beziehung im Juni zum Mann nehmen. Das feiern dieses doch ueberraschenden und zugleich absurden Ereignisses dauerte dann etwa eine halbe Stunde. Wow, was eine Party.

Samstag, 10.10.2009

Samstag, ein Tag vor dem mir meistens graut, weil ich nie weiss ob ich ihn rumkriege. Die Dominikaner selbst machen oft von bis spaeten Nachmittag garnichts, da es viel zu warm ist. Aber um 10.30 Uhr kommt meine Gastmutter in mein Zimmer. Sie muesse jetzt los um bei einem Freund zu kochen. Wir wuerden uns dann da im Laden gegen 12.30 Uhr treffen. Vorher erklaert sie mir aber noch schnell, wie die Waschmaschine hier funktioniert. Waesche waschen kann hier naemlich zum richtigen Erlebnis werden. Man nehme seine Schmutzwaesche und befoerdere sie in den ersten Teil des Apparates, der mit Schaumwasser gefuellt ist. Dort wird dann alles fuer circa 15 Minuten ordentlich einshamponniert. Anschliessend tut man die Waesche in einen Eimer mit klarem Wasser um dort den Schaum so gut es denn geht auszuwaschen. Schliesslich kommt die Waesche in den zweiten Teil der Maschine wo sie fuer gute 3 Minuten geschleudert wird. Das Aufhaengen funktioniert wohl in etwa so wie in Deutschland auch, allerdings trocknen die Klamotten bei der Hitze natuerlich um einiges schneller. Nach diesem Abenteuer begebe ich mich zu besagtem Freund, um dort Mittag zu essen. Drei mal duerft ihr raten was es gab. Richtig: Reis. Wie immer. Ein Tag ohne Reis ist hier wie ein Tag ohne Sonne. Sprich nicht existent! Naja gut, ganz so schlimm ist es nicht. Bis hin zum Abend verbringe ich den Tag mit Internet, Fernsehen und meinem Buch. Abends gehts dann wieder auf die Strasse, wo meine Gastmutter dann betruebt feststellen muss, dass nichts los ist. Aus Langeweile wie es scheint begeben wir uns also auf zur Messe in die Kirche. Alles in allem hat mir das sehr gut gefallen, es gibt viel Musik und die Menschen sind sehr herzlich. Allerdings habe ich auch bis zu dem Zeitpunkt wo ich den Priester "Guten Tag" sagen hoere nichts verstanden. Tatsaechlich werde ich dann doch der gesamten Kirche vorgestellt, muss sogar aufstehen und nett in die Runde grinsen. Das hat man davon, wenn der Priester mit der Gastfamilie befreundet ist. Wie fanatisch hier die Relegion betrieben wird, kann ich sonst nur bedingt beurteilen.

Sonntag, 11.10.2009

Ein doch recht ereignisreicher Tag fuer hiesige Verhaeltnisse. Gegen 11 Uhr verlasse ich mit meiner Gastmutter das Haus, um einzukaufen. Gekocht wird dann im Haus der Schwester meines Gastvaters. Ihr werdets kaum glauben, aber es gibt doch tatsaechlich Pasta. Anschliessend fahren meine Gastmutter, Maria, ihr juengerer Bruder Fernando und ich zum Swimmingpool an den Strand. Warum in Gottes Namen man den Swimmingpool bevorzugt, wenn doch der schoene Strand keine 10 m entfernt ist, bleibt mir ein Raetsel. Der Pool an sich ist ein ziemlich absurder Ort. Sehr schoen, sehr sauber, karibisch eingerichtet - ein krasser Kontrast zum Rest der Stadt. Aber irgendwann haben wir auch davon genug und begeben uns nach Hause um kurz zu duschen. Im Anschluss besuchen mein Gastvater, meine Gastmutter und ich die Terraza Feradora um dort mit Freunden Bier zu trinken. Und zwar viel. Gegen 19 Uhr ist dort dann zu wenig los, und wir begeben uns auf in die Calle 8 um mehr Bier zu trinken. Gluecklicherweise kann ich mich auch an diesem Wochenende erfolgreich vorm tanzen druecken. Neben den ortstypischen Taenzen Bachata und Merengue tanzt einige Paare hier auch in wilder Manier zum Reggaeton. Fuer mich sieht das ganze eher aus wie Klamottensex in der Oeffentlichkeit: Der weibliche Part streckt die Haende gen Boden, waehrend der maennliche Part sein Becken rhythmisch zur Musik bewegt. Oh wie ist dieses Land doch konservativ. Uebrigends faehrt hier am Wochenende die ganze Zeit Politikwerbung durch die Gegend: Kleinlaster beklebt mit Plakaten der oertlichen Politiker, die im Jahr 2010 gewaehlt werden wollen, und schallendem Musiklaerm. Sehr befremdlich. Aber auch dieser Sonntag naht sich dann irgendwann dem Ende und ich darf gegen 11 Uhr endlich muede ins Bett fallen.


"Komm mit mir ins Abenteuerland"

10 10 2009

Hola muchachos!

Und somit starte ich nun meinen dritten Anlauf endlich mal einen Bericht aus Montecristi zu schreiben. Ich weiss ich bin reichlich spaet, aber da auf Grund eines Unfalls vor meinem Haus der Strom fuer drei Tage und Telefonnetz fuer eine Woche und zwei Tage ausfiel bin ich, denke ich, entschuldigt.

Tja, wo fang ich nun an? Die vielen neuen Eindruecke werden vermutlich einen fein gegliederten Eintrag unmoeglich machen. Aber ich gebe mein Bestes :-)

Nachdem nach meiner Ankunft in Santo Domingo drei Tage in einem On-Arrival Camp verbracht habe, indem man uns die Moeglichkeit gab uns zu akklimatisieren, den Jetlag zu ueberwinden und uns zum wiederholten Male die kulturellen Unterschiede erklaerte, bin ich am Mittwoch dann in den einen der Reisebusse CaribeTours gestiegen und fuenf Stunden nach Montecristi gefahren. Euch duerfte eventuell interessieren, dass mich diese Tour nicht einmal 6 Euro gekostet hat. In Montecristi holte mich eine Frau namens Daysi ab, die eigentlich meine Gastmutter haette sein sollen, sich dies aber kurzfristig anders ueberlegt hatte. Woraufhin ich nun nur eine Nacht bei ihr verbracht habe, da meine richtige Gastfamilie noch verreist war. Am Tag darauf hatte ich dann aber die Chance die Menschen kennen zu lernen, mit denen ich jetzt wohl ein Jahr leben werde. Der engere Kreis meiner Gastfamlie besteht aus meinem Gastvater Miguel, meiner Gastmutter Lulu und drei Gastgeschwistern, Emiliano, Floryluz und Alicia, im Alter von 19 bis 22, die allerdings alle in Santo Domingo studieren. Neben den genannten Personen scheine ich aber noch etliche weitere Gastverwandte zu haben. Was das angeht hatte ich nach ungefaehr einem Tag schon den Ueberblick verloren... allein mein Gastvater hat zehn Geschwister, die wiederum so und so viele Kinder haben und die haben natuerlich auch schon wieder Kinder.

Ich lebe hier in einem fuer die Dominikanische Republik stinkreichem Haus. Wir haben glaeserne Fenster, ueberall Deckenventilatoren, in einen Raeumen sogar Klimaanlagen, einen Computer, etliche Badezimmer mit fliessend Wasser (welches mir sogar schon zwei mal warm servierte). Alles absolut keine Verstaendlichkeit. Doch wie schon am Anfang dieses Eintrages erwaehnt bringt auch das alles nichts, wenn das Stromnetz, das hier nicht unterirdisch verlaeuft zusammenkracht. In der Regel sorgt dann ein Generator fuer die wichtigsten Gegenstaende wie beispielsweise Licht und Deckenventilatoren, aber fliessend Wasser gibt es dann nicht. Geduscht wird dann mit einem Kuebel und auch seinen Faekalien darf man dann das Wasser selbst hinterherschuetten. Ihr koennt euch garnicht vorstellen wie froh ich in diesen drei Tagen war, dass ich das Essen hier aus irgendwelchen Gruenden prima vertrage und der Durchfall, vor dem wir alle in den Vorbereitungen gewarnt wurden, ausblieb. Das waere mit Sicherheit unschoen geworden :-D.

Alles in allem, was meine Gastfamilie und meine Wohnsituation angeht habe ich also ziemlich Glueck gehabt. Meine Gasteltern sind sehr herzliche Menschen, die mich inzwischen schon Freunden gegenueber als ihre "nueva hija por un ano" (neue Tochter fuer ein Jahr) vorstellen. Des Weiteren scheinen sie zu wissen, dass es so etwas wie kulturelle Unterschiede gibt und akzeptieren meine Eigenheiten. Das macht es natuerlich fuer mich einfach, da ich mich hier nicht sonderlich gross verstellen muss, was Essgewohnheiten und weiteres angeht. So bin ich beispielsweise dazu uebergegangen mich hier als Vegetarierin zu bezeichnen, da sie hier unglaublich viel Ziegenfleisch und anderes komisches Zeug essen, dass nun wirklich nicht mein Ding ist. Da trau ich doch gekochten Bananen und dem Reis, den es hier sowieso taeglich gibt, doch schon viel mehr. Das Essen ist hier uebrigends total anders. Taeglich gibt es Reis, meistens mit Bohnen und dazu Bananen in allen moeglichen Variationen: gekocht, mit Butter, in Suesskram eingelegt, frittiert etc.! Erstaunlicherweise schmecken gekochte Bananen nicht grossartig anders als gekochte Kartoffeln. Wer haette das gedacht?! Die tropischen Fruechte werden hier leider nur wenig gegessen. Zur Zeit gibt es viel Avocado und auf den Strassen sammelt man sich Weintrauben vom Strand, die uebrigends total lecker sind. Aber zu meinen kulinarischen Favoriten gehoeren Momentan frittierter Yuca und Empanadas, das sind frittierte Teigtaschen gefuellt mit allem Moeglichem. Sehr zu empfehlen. Und wie gesagt, mein Magen vertraegt das alles hier prima.

Der Alltag eines Dominikaners verlaeuft hier relativ entspannt. Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad scheint niemand hier den Drang nach einem hektischem Leben zu verspueren. An Wochenenden und Feiertagen hockt man meist bis 17 Uhr im Haus und wartet, dass es draussen ertraeglicher wird. Anschliessend begibt man sich dann auf die Strasse um Familie und Freunde zu besuchen, die einen meist schon in Schaukelstuehlen vor ihren Haeusern erwarten. Dann setzt man sich dazu und redet ueber dies und jenes. Die aelteren Herrschaften spielen auch schon mal gerne Domino oder Bingo. Die juengere Generation inklusive jung gebliebenen Eltern begeben sich dann irgendwann in die Calle 8 oder in die Terraza wo man Presidente, das gute Dominikanische Bier, zu sich nimmt. Auch das Bier trinken ist hier so ne Sache. Waehrend meiner ersten fuenf Tage hier, habe ich es an keinem einzigem Tag geschafft das Bier abzulehnen. Hier wird dann eine grosse Flasche Presidente gekauft, dann werden Plastikbecher ausgeteilt und schliesslich wird ausgeschenkt - und zwar an jeden, der es nicht fertig bringt ueberzeugend und lautstark seine Ablehnung zu bekunden. Wenn das Plastikbecher dann zur Haelfte gelehrt ist, wird sofort nachgeschenkt. Anfangs habe ich versucht durch langsames Trinken meinen Alkoholkonsum in Grenzen zu halten, aber leider kippen sie dann das restliche Bier einfach weg mit der Erklaerung es sei ja jetzt nicht mehr kalt genug. Ausser der Terraza und der Calle 8, wo man auch Merengue und Bachata tanzen kann, gibt es hier noch eine Diskothek. Ueberall wird uebrigends nur in Paaren getanzt, weshalb ich jedes Mal mehr oder minder begeistert an der Seite stehe. Die Forbewegung hier vor Ort findet allgemeinhin zu Fuss, per Motorrad oder per Motoconcho, ein Motorradtaxi das mit bis zu fuenf stets unbehelmten Personen beladen wird, statt. Autos gibts hier eher wenige. Meine Familie besitzt derer vier, was ich als weiteres Anzeichen des Wohlstandes verstehe. So wirklich fix kommt man mit denen allerdings auch nicht vom Fleck. Nur die wichtigen Strassen sind hier mit Asphalt versehen und selbst da gibt es an den meisten Kreuzungen eine grosse Schlaglochrinne, die nur langsam ueberwunden werden kann. Anschnallen tut sich hier in Montecristi eigentlich auch keiner, was bei dem Schritttempo was man hier fahren kann auch garnicht noetig ist.

Wo ich gerade vom Verkehr rede, kann ich dazu vielleicht auch gleich mal was allgemeineres erzaehlen. Das ganze verlaeuft hier naemlich doch ein wenig chaotischer, auch wenn ich den Eindruck habe, dass da irgendein System hintersteckt. In Montecristi gibt es eigentlich keine Strassenschilder. Rechts fahren tut man hier auch nicht unbedingt, eben je nachdem wie man am besten die Schlagloecher umfahren kann. An Kreuzungen wird tagsueber gehupt und nachts die Lichthupe getaetigt um das Recht auf Vorfahrt zu erlangen. Von Montecristi fuehrt genau eine Autobahn nach Santo Domingo, die man allerdings bei uns auch eher als Landstrasse bezeichnen wuerde. Hier schnallt man sich dann auch an. Ueberholt wird links oder rechts, je nachdem wo Platz ist und als Warnzeichen hat der Ueberholende kurz zu hupen. Auf den Strassen darf hier alles fahren, was noch in der Lage ist den Motor anspringen zu lassen. Somit koennt ihr euch vermutlich ausmalen, dass hier teils auch Autos fahren, die bei uns schon seit Jahren keinen TUEV mehr haetten. So etwas wie einen Fuehrerschein benoetigt man hier meines Wissens nach auch nicht. Wer fahren kann und ein Auto hat, der darf das auch. Auf eigene Gefahr versteht sich. In Santo Domingo sieht dann der Verkehr noch mal um einiges anders aus. Hier gibts Strassenschilder und derlei, allerdings hab ich sie bis jetzt nur als Verzierung wahrgenommen. Zur Not einigt man sich halt kurzfristig, wer denn nun zuerst in welche Richtung fahren darf. Dementsprechend froh bin ich, dass AFS mir von vornherein das Fahren verbietet. Als Beifahrer kann man zumindest die Augen in brenzligen Situationen schliessen und hoffen, dass der Fahrer weiss was er tut.

Tja ich denke, ich habe jetzt schon eine Menge erzaehlt. Aber vermutlich fragt sich der eine oder andere noch, wie es mir momentan denn so persoenlich geht. Zur Zeit habe ich hier so meine Probleme mich hier einzuleben. Meine Familie ist wie gesagt unglaublich nett und nimmt mich ueberall mit hin, aber die Sprache erschliesst sich mir nur schwer. Die Menschen hier in Montecristi nuscheln nur so vor sich hin und man nimmt den Satz als ein gesprochenes Wort wahr. Dementsprechend ist es schwer dazu zu lernen, weil man nur selten die Moeglichkeit bekommt mitzureden. Es ist hier tatsaechlich eine seltene Begabung langsam zu sprechen. Meine Gastfamilie bekommt das ab und zu ganz gut hin, und eine meiner Wie-Auch-Immer Verwandten, die 16-jaehrige Maria ebenfalls. Die besuche ich auch hin und wieder mal, aber so richtig anfreunden kann man sich auch nur schwer, wenn man nur ein oberflaechliches Gespraech zustande bekommt. Ich habe inzwischen angefangen Volleyball zu spielen. Die meisten unter euch sollte das wohl ziemlich erstaunen... ja ich bin schon so verzweifelt gelangweilt hier :-D. Aber eigentlich ist es garnicht so schlimm. Sollten die sich ueber mich lustig machen, versteh ich das ja eh nicht und dieses kleine Stueck an Hektik am Tag tut mir mal ganz gut. Allgemeinhin ist es mir bis jetzt allerdings nicht gelungen mich hier in die Jugend zu integrieren. Zum einen kann ich wie gesagt nur das Noetigste von mir geben, und hier spricht tatsaechlich keiner Englisch und wenn doch, dann so unverstaendlich, dass ich es nicht einmal mehr mitbekommen. Zum anderen nehmen hier viele Jugendliche Drogen und meine Gastfamilie warnt mich immerfort vor ihnen. Der Rest zeigt sich relativ uninteressiert und Gespraeche kommen selten auf. Die paar Leute, die ich bis jetzt kennen gelernt habe und mit denen ich mich gut verstanden habe, wohnen alle in Santo Domingo oder Santiago und besuchen hier nur ihre Familien. Mein Sozialleben beschraenkt sich also ziemlich auf meine famliaere Umgebung. Aber wenn ich ehrlich bin, spuere ich auch noch nicht so unbedingt den Drang alleine rauszugehen. Das ist hier zwar relativ ungefaehrlich, solange man nicht zu Fremden ins Auto steigt, aber als weisse, dunkelblonde, grosse Frau faellt man hier doch schon auf. Und meine Groesse haelt auch leider die Maenner nicht davon ab mir hinterherzutzischen, oder mir Dinge wie Rubia, Americana oder auch "Hey, komm wir machen ein Baby" hinterherzurufen. Da muss man dann halt starr geradeaus gucken und weiter gehen. Vielleicht gewoehnen die sich ja noch an mich :-).

Meine Arbeit hier als Physiotherapeutin gestaltet sich auch noch etwas schwierig. Zum einen habe ich das Gefuehl, die brauchen mich nicht unbedingt, da hier bereits drei Angestellte sind, die sich um die Patienten bemuehen. Zum anderen haben die eine ausgebildete Physiotherapeutin aus Deutschland erwartet, sodenn sie denn wussten, dass da ueberhaupt jemand neues kommt und sind dementsprechen uebberrascht, dass ich 19 bin und gerade mal die Schule beendet hab. Momentan schau ich da viel zu und uebernehme hin und wieder den einen oder anderen Patienten. Vermutlich kann ich da in ein paar Wochen mehr erzaehlen.

So, ich hab jetzt mich hier jetzt knapp zwei Stunden bemueht, das wichtigste zusammen zu fassen. Fotos gibts erst mal noch nicht, aus Mangel an Interessanten Fotos. Ich hoffe ich hoer bald mal von euch, was ihr so macht im Alltag oder beginnender Ausbildung oder Studium oder wo auch immer. Gerne koennt ihr mir auch gezielt Fragen stellen, damit ich weiss was euch so interessiert. Ich freu mich ueber jegliche Form der Kommunikation: ob Email, Kommentar oder bei facebook.

Ganz liebe Gruesse ins kalte Deutschland!

Merle

 


"Ich sage dankeschön, auf Wiedersehen!"

18 09 2009

Es ist bald soweit: Am kommenden Montag, den 21. September steige auch ich endlich in den Flieger in die Dominikanische Republik, um dort meinen Freiwilligendienst im Rahmen des weltwärts-Programmes anzutreten. Ich möchte versuchen, euch in diesem Blog ein wenig über mein dortiges Leben auf dem Laufenden zu halten.

Also, was kann ich euch jetzt schon erzählen?

Ehrlich gesagt halten sich meine jetzigen Informationen noch in Grenzen. Ich werde in einem Reha-Zentrum tätig sein, wobei es wohl mehrere Filialen dieses Projektes in der Dominikanischen Republik gibt. Seit letzten Montag weiß ich nun, dass ich wohl in Montecristi in dem Bereich Physiotherapie tätig sein werde. Geplant ist außerdem, dass ich in einer Gastfamilie unterkomme. Ob ich eine habe oder nicht, erfahre ich vermutlich vor Ort. Zunächst einmal fliege ich wie gesagt am Montag mit geschätzt 19 anderen Freiwilligen von Paris aus nach Santo Domingo. Dort findet dann erst mal das sogenannte on-Arrival Camp statt.

Tja, ich denke das sollte als kleine Einführung genügen. Bleibt nur noch zu sagen, dass ich bis jetzt noch nicht sagen kann, wie die Internetmöglichkeiten vor Ort aussehen. Man hört so abenteuerliche Geschichten wie bsw. es gäbe nur zwei Stunden Strom am Tag. Ich bin gespannt :-)

Trotzdem freue ich mich jeder Zeit über Kommentare und Emails.

Ganz liebe Grüße,


Merle

Hallo zusammen,